MOMA-Reporter: Risiko Atomkraftwerk Tihange 20.04.18

In diesem Beitrag der MOMA-Reporter wurde über unser Filmprojekt berichtet.

"Monika Wenzel und ihre Familie leben in Aachen, in einer idyllischen Wohnsiedlung, ideal für die Kinder – wäre da nicht der sogenannte Schrottreaktor von Tihange, nur 65 Kilometer Luftlinie von Aachen entfernt. Die Hülle des Reaktors hat Risse, die Pannen im AKW, das schon seit 1975 in Betrieb ist, häufen sich.

Monika Wenzel macht sich vor allem Sorgen um ihre drei Kinder. Was passiert, wenn es tatsächlich einen ernsten Störfall gibt oder sogar den GAU? Gibt es Notfallpläne für die Schulen, für die Stadt? Unsere MOMA-Reporterin Judith Müllender macht sich gemeinsam mit der Mutter auf die Suche und tifft internationale Atomexperten, die sich den Fragen der besorgten Aachener stellen."

Video: MOMA-Reporter: Risiko Atomkraftwerk Tihange

Artikel in den Aachener Nachrichten vom 14.03.2018

Filmprojekt als Reaktion auf die Tihange-Verunsicherung

Städteregion. Die Szene wirkt bedrückend: In einem fensterlosen Vorratskeller, der gerade mal fünf Quadratmeter misst, haben drei junge Menschen Zuflucht gefunden. Am liebsten würden sie so schnell wie möglich raus aus ihrer Stadt. Denn in Tihange ist es zu einem schweren nuklearen Störfall gekommen.

Doch es fehlen die Mittel und die Zeit. Also bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mit einigen Vorräten, Matratzen und Schlafsäcken unter der Erde zu verschanzen. Wie es weitergehen wird? Sie wissen es nicht.

Die Klappe fällt, die Szene ist gedreht. Jetzt wird wieder gelacht, auch wenn das Thema ein sehr ernstes ist. Noch bis Ende April läuft das neueste Projekt von „Nocase“, der gemeinnützigen inklusiven Filmgesellschaft mit Sitz in Eschweiler. Dann soll der knapp einstündige Streifen fertig sein. In dessen Mittelpunkt stehen das marode Atomkraftwerk im belgischen Tihange und seine möglichen Auswirkungen auf die Menschen in der Städteregion.

„Die Idee zu dem Film ist im vergangenen Jahr entstanden, als mit der Verteilung von Jodtabletten begonnen wurde“, berichtet Geschäftsführerin Claudia Schmoldt. „Die jungen Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, hatten große Sorgen und zahlreiche Fragen und fühlten sich nicht richtig aufgeklärt.“

Sie beschlossen, sich genauer zu informieren, zu recherchieren und ihre Erfahrungen und Informationen filmisch zu verarbeiten. „Dabei stellten wir fest, dass viele andere Menschen ebenfalls verunsichert und nur unzureichend informiert sind“, berichtet Henrik Schnitzler. Der 17-Jährige hat über ein Schulpraktikum den Weg zu „Nocase“ gefunden und ist seitdem regelmäßiger Gast in den Studioräumen in Eschweiler.

Der Film, dessen Titel noch nicht verraten wird, soll eine Orientierungshilfe bieten. „Und auf keinen Fall Ängste schüren“, betont Schmoldt und blickt zurück: „Die Entstehungsgeschichte war äußerst interessant, denn jeder hatte eine ganz eigene Vorstellung vom Drehplan und der Machart des Films. Letztlich haben wir uns auf eine Kombination geeinigt.“ So finden dokumentarische Passagen, Interviews und szenische Darstellungen zusammen.

Die Protagonisten sind – vor und hinter der Kamera – die jungen Teilnehmer des Projektes, im Alter von elf bis 25 Jahren. Von der Grundlagenrecherche über das Schreiben des Drehbuches bis hin zum Schnitt übernehmen sie – unterstützt von professionellen Filmemachern aus Eschweiler, Aachen, Münster und Dortmund – alle wesentlichen Arbeiten. Wobei Flexibilität ganz groß geschrieben wird. „Wir lassen uns ein Stück weit treiben in diesem Projekt, weil immer neue Fragen auftauchen“, erklärt Claudia Schmoldt.

In der knapp 30-köpfigen Gruppe kommt das sehr gut an. Armin Lepirica (18) beispielsweise ist begeistert – nicht nur vom aktuellen Projekt. Vor zwei Jahren hatte er im Rahmen eines filmisch begleiteten Bewerbungstrainings erstmals Kontakt mit „Nocase“. „Und seitdem bin ich dabei geblieben und mache alles, was bei einem solchen Projekt anfällt.“

Zum Thema Tihange hat er eine klare Meinung: „Das AKW muss abgeschaltet werden.“ Doch weil der Berufsschüler davon ausgeht, dass dies so schnell nicht passieren wird, hält er die aktuelle Filmproduktion für sehr wichtig: „Sie liefert viele Informationen, klärt auf und gibt Tipps, wie man sich auf eine mögliche Krisensituation vorbereiten kann.“

Politik wird in dem Film hingegen kein Thema sein. „Wir wollen neutral sein und uns nicht zu den laufenden politischen Diskussionen positionieren“, stellt Claudia Schmoldt klar. Deshalb wurde beispielsweise auch auf ein Interview mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der zu den vehementesten Gegnern der belgischen Atomkraftwerke zählt, verzichtet. Schmoldt stellt klar: „Uns geht es alleine darum, das Thema Tihange informativ aufzugreifen, und zwar aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen.“

In gut sieben Wochen soll alles im Kasten sein, dann endet auch die Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Im Juni wird die öffentliche Präsentation folgen. Das genaue Datum und der Ort stehen noch nicht fest. Gut möglich aber, dass „Nocase“, auch was die „Location“ angeht, an das überaus erfolgreiche Vorgängerprojekt anknüpfen wird. An das erste inklusive Filmfestival, das im vergangenen März im Alsdorfer Cinetower für viel Furore gesorgt hat, erinnern sich alle Beteiligten auch heute noch gerne . . .

Link auf den Artikel unter aachener-zeitung.de

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Über Nocase

Nocase wurde 2014 als inklusive Filmproduktion gegründet, die Dokumentationen, Reportagen und Aufklärungsfilme produzieren. Das, was uns besonders auszeichnet ist, dass wir Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigen, bei uns steht das Talent und die Leidenschaft zum Filmen im Fokus. Wir wollen damit Menschen, die durch ihre Beeinträchtigungen nicht die Möglichkeit haben, den Beruf zu erlernen, eine Chance bieten. Wir erweitern ihre Kenntnisse durch Workshops und unseren eigenen Dozenten in den Bereichen Kameraführung, Tontechnik, Schnitt und Skript. Bei der Umsetzung der einzelnen Projekte werden sie von studierten Filmemachern begleitet.

Dass unsere Filme bundesweit auf diversen Filmfestivals und europaweit zu Aufklärungszwecken in Kliniken, Beratungsstellen und Bildungsstätten gezeigt werden, ist der Tatsache zu verdanken, dass wir auf die Stärken jedes einzelnen Betroffen aufbauen und dadurch im Team enorme Ergebnisse erzielen. Deshalb haben wir die Möglichkeit, Reportagen, Dokumentationen und Aufklärungsfilme für Auftraggeber anzubieten.

Was uns zusätzlich noch auszeichnet, ist, dass wir inklusive und sozial benachteiligte Jugendprojekte anbieten und dadurch die Option haben nach besonderen Talenten unter den Teilnehmern zu suchen und so langfristig unser Team zu erweitern.

Nocase ist zudem Mitglied bei BJF und LAG und berechtigt Schülern Kompetenznachweis Kultur auszuhändigen.

Wir reden nicht über Inklusion, wir arbeiten einfach inklusiv.